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Abt. Qualitätsmedien – Heute: “Der Spiegel”

by Bö. Average Reading Time: about a minute.

Verwundert, erstaunt und auch ein wenig befremdet verfolge ich gerade die Verleihung des Henri-Nannen-Preises für die beste Reportage an “Spiegel”-Autor René Pfister – bzw. dessen Aberkennung.

Um was gehts? Pfister hat in szenischen Worten davon berichtet, wie CSU-Mann Horst Seehofer im Keller mit seiner Modelleisenbahn spielte:

Ein paarmal im Jahr steigt Horst Seehofer in den Keller seines Ferienhauses in Schamhaupten, Weihnachten und Ostern, auch jetzt im Sommer, wenn er ein paar Tage frei hat. Dort unten steht seine Eisenbahn, es ist eine Märklin H0 im Maßstab 1:87, er baut seit Jahren daran. Die Eisenbahn ist ein Modell von Seehofers Leben. mehr

Leider war Pfister nie vor Ort. Die Jury erklärte die Aberkennung wie folgt:

Die Jury betont aber, dass sie keinen Zweifel an der Korrektheit von Pfisters Fakten hat. (…) Wenn aber eine Reportage als die beste des Jahres ausgezeichnet und damit als vorbildlich hervorgehoben werden soll, muss sie besondere Anforderungen erfüllen. Pfisters Text erfüllt diese Anforderung nach Ansicht der Jury-Mehrheit nicht. mehr

Natürlich zerreissen sich die anderen Medien wie “Bild“, “taz” oder “Zeit” nun den Mund. Der “Spiegel” selbst versteht die Aufregung nicht und gibt sich kritikresistent:

René Pfister hat in den ersten vier Absätzen seiner vier Seiten umfassenden Geschichte über Horst Seehofer das Hobby des CSU-Vorsitzenden geschildert, der in seinem Keller eine Märklin-Eisenbahn stehen hat. Die Informationen für den Einstieg beruhten auf Gesprächen mit Seehofer, dessen Mitarbeitern sowie SPIEGEL-Kollegen, die den Hobbykeller selbst in Augenschein genommen haben. An keiner Stelle hat der Autor behauptet, selbst in dem Keller gewesen zu sein. mehr

Was lernen wir?

  • Der Begriff “Qualitätsmedien” ist Bullshit. Entweder ist eine Geschichte gut – oder schlecht. Egal ob sie jetzt in einer Bezahl- oder Gratiszeitung erscheint.
  • Journalistenpreise als solche sind reines Branchengewixe. Leute die sich kennen schanzen sich Preise zu. Wenn eine Geschichte in einem “Qulitätsmedium” (siehe oben) erscheint, hat sie sowieso einen Bonus.
  • Wir leben im Zeitalter der totalen Transparenz. Was für Guttenberg gilt, gilt auch für Journis.

Alles in allem kein rühmliches Blatt für unsere Branche.

One comment on ‘Abt. Qualitätsmedien – Heute: “Der Spiegel”’

  1. Jörg P. says:

    Was genau ist jetzt nicht rühmlich?
    Die Frage, ob man im Keller gewesen sein muss, ist meines Erachtens nicht eindeutig zu beantworten.
    Warst du immer überall, worüber du geschrieben hast?
    Nicht rühmlich für den Journalismus ist nur der viele Unsinn, der jetzt über diesen Fall geschrieben wird.

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