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Abt. Bitchfight – Heute: Infamy vs. Thiriet #journipreis

by Bö. Average Reading Time: about 6 minutes.

Kaum hat sich der Staub um die Verleihung und die Aberkennung des Henri-Nannen-Preises an “Spiegel”-Autor René Pfister gelegt, gehts in der Schweiz richtig los.

Heute wurde öffentlich, dass Downhiller &  ”Tagi”-Journalist Maurice Thiriet (31) den Nachwuchspreis des Zürcher Journalistenverbandes gewonnen hat. Und zwar für seine Story über “Die eingebildete Astronautin” (17. Aug 2010) namens Barbara Burtscher aus dem Toggenburg.

Die Jury sagt:

Maurice Thiriet, Preisträger in der Kategorie Nachwuchs, hat sich nicht von forschen Aussagen blenden lassen, die im heutigen Medienbetrieb gerne gemacht werden. Die attraktive Geschichte einer jungen Frau aus dem Toggenburg, die es zu Nasa-Astronautin geschafft hat, haben viele bereitwillig nacherzählt. Thiriet hingegen ging der Sache auf den Grund und entlarvte im «Tages-Anzeiger» die «stratosphärische» Story, lobte Jury-Präsident Fredy Gsteiger in seiner Laudatio. «Wenn es um den Sachverhalt geht, ist Faktentreue geboten statt Imagination. Journalismus vermittelt Wirklichkeit. Daraus beziehen wir Journalisten unsere ganze Glaubwürdigkeit», sagte Gsteiger.

Kollege Thiriet sagt:

Ich sah einfach bei der Recherche, dass gewisse Dinge nicht stimmen konnten. Ich wusste zum Beispiel von Experten, dass die ESA und die Nasa nur sehr selten Astronauten-Bewerbungsverfahren durchführen. Die letzten lagen offenbar erst ein oder zwei Jahre zurück. Und aus Zehntausenden Bewerbern werden jeweils sieben oder acht ausgewählt. Da wusste ich, dass Barbara Burtscher niemals Astronautin im Sinne eines Claude Nicollier oder eines Neill Armstrongs würde…

Soweit so gut …wenn da nur nicht ein paar Blogger aus Basel wären (notabene derselben Stadt, aus der auch Thiriet stammt). Unter dem Titel “Abt. Journalistische Glaubwürdigkeit” gratuliert der Infamy-Blog heute Thiriet zum Preis. Allerdings nicht ohne genüsslich darauf hinzuweisen, dass man es selber war, der die Geschichte Monate vor dem “Tagi” gebreakt hat:

So schrieb Infamy-Blogger und DRS2-Mitarbeiter Patrik Tschudin bereits am 29. Januar 2010 unter dem Titel “Abt. Richtigstellung – heute: Barbara Burtscher” über die Causa Burtscher:

…wenn Sie im Gespräch mit Hannes Hug bei Minute 7, als er das Wüstencamp in Utah als “Camp der NASA” bezeichnet, lediglich anfügen, es laufe “in Zusammenarbeit mit der Mars Society”, und nicht transparent machen, dass das Mars-Lager eine private Angelegenheit ist, mit der die NASA, wohlmeinend interpretiert, nur ganz am Rande zu tun hat.

Soweit so gut. Auf die Frage, ob Thiriet der Preis nun Nannen-mässig aberkannt werden müsste, gibt sich Infamy grosszügig:

Lasst dem jungen Mann die Freude an seinen Fr. 10’000.-! Stirnrunzelnd ist vielleicht schon anzumerken, dass es doch “einen ziemlichen Magen” braucht, eine Story als eigene einzureichen, die nachweislich von infamy inspiriert ist. Aber: Schwamm drüber! Soll er halt mal ein Bier springen lassen. Und das war’s dann.

Allerdings ist die Story hier noch nicht gegessen. Kurz nach obigem Kommentar entdeckten die Infamys Thiriets Attacke im Prospekt des Journalistenverbandes. Schliesslich zieht sich ihr Knatsch bereits über Monate hin:

Als “wurstelnde, alleinstehende Blogger mittleren Alters” wollen sich die Infamys dann doch nicht bezeichnen lassen – und lassen die Idee mit dem Bier fallen:

Ich kugle mich vor Lachen! Ehrlich! “Harte Bandagen” geht anders! Ich les das als versuchten Präventivschlag gegen mögliche Kritik. Aber mehr als einen lauten Lacher kriegt er nicht dafür! Ein Bier bezahlen lass ich mir allerdings nach dem Hinweis nicht mehr vom Herrn Preisträger, danke!

Auf meinem Facebook (was der Grossteil der Blog-Leser leider nicht sieht), bestätigte Patrik Tschudin obigen Blogpost (“Geht von mir aus klar so“); und Maurice Thiriet tippte “I’m lovin’ it.

[Update I.]

Mittlerweile regt sich bei/wegen Thiriet Widerstand im eigenen Haus aka Tamedia. Mamabloggerin und “Newsnetz”-Lästermaul Michèle Binswanger twittert:

Und im meisterfeierlichen Basel verschärft sich der Ton. Infamy-Kommentator “ridikühl” frotzelt:

Ich denke er leidet einfach am Burtscher-Syndrom (“Der eingebildete Preisträger”).

[Update II.]

Durch den ganzen Trubel wird ein alter Artikel vom .ras von der “NZZ” hochgespült, der schon am 24. August 2010 schrieb:

Kein Leben ohne Massenmedium
(…) Ein halbes Jahr dauerte es also, bis eine Geschichte, die ein Blog aufgegriffen hatte, in der grossen Medienarena Aufmerksamkeit fand. Das zeigt, wie wenig Bedeutung Blogs in der Schweiz haben. Evident wird aber auch, wie stark Blogs auf die klassischen Medien angewiesen sind, um mit einer Botschaft allenfalls eine Wirkung erzielen zu können. Ich-Buden im Internet schaffen keine relevante Öffentlichkeit. Dazu braucht es die guten alten Kanäle. (…)

Masterfrage: Wird Thiriet nun der Preis aberkannt? Wohl kaum. Jury-Präsident Fredy Gsteiger sagte vor ein paar Tagen anlässlich der Aberkennung des Nannen-Preises:

Wie Journalistenpreise nicht leichtfertig verliehen werden sollten, so gilt es auch bei der Aberkennung Zurückhaltung zu üben. Würden selbst kleinere Mängel, die erst nach der Preisverleihung bekannt werden, als Aberkennungsgrund ausreichen, müsste man Journalistenpreise generell bloss noch «auf Bewährung» verleihen. Und konsequenterweise auch Nobelpreise, Kulturstipendien, Friedenspreise, Doktorhüte und Sportmedaillen nur noch «bedingt» zuerkennen.

[Update III.]

Entgegen seiner Aussage, alles zum Thema gesagt zu haben brannte es Patrik Tschudin unter den Nägeln und er schrieb Thiriet eine lange Replik auf dessen persönlichen Angriff (Kommentar alias patpatpat):

(…) Dass Thiriet in der Broschüre der Preisverleihung mein angebliches Alter und mutmasslichen “Zivilstand” ins Spiel bringen kann, und implizieren darf, ich sei nicht zufällig “alleinstehend”, sondern das deute auf eine zweifach zu wenig ausdauernde Hartnäckigkeit hin, nämlich bei “guten Frauen” und bei “guten Geschichten”, mag in der Sache als missglückter Versuch einer spätpubertären Pointe, bei der das vom zuerkannten Preis aufgeblasene Ego Regie führte, durchgehen und soll dem Preisträger ausnahmsweise und nur dieses eine Mal verziehen sein (psychologisierende Spekulationen über seine wahren, neidgesteuerten Motive ersparen wir dem geneigten Publikum), auf der formalen Ebene stärkt es nicht mein Vertrauen in die, nennen wir es: Stilsicherheit der Jury des Zürcher Journalistenpreises. (…)

Und was macht eigentlich Burtscher? Nimmt sie die Preiverleihung einfach so hin? Und ebenso, dass ihre Geschichte wieder durch die Medien geschleipft wird? NEIN! Wie “Benkösblog” aus gut unterrichteter Quelle weiss, versuchte sie bzw. ihre Anwälte die Verleihung des Journalistenpreises zu verhindern:

EXKLUSIV: Die Burtscher-Anwälte haben übrigens noch versucht, die Preisverleihung zu verhindern. Per Fax direkt ins Casinotheater Winterthur. Fünf Minuten vor Zeremonienbeginn.

Für die “Blick am Abend”-Baselausgabe haben wir die Geschichte noch zu Papier gebracht. Inkl. Anruf bei Jury-Präsident & DRS-Korrespondent Fredy Gsteiger:

[Update IV.]

Wenn ich den Infamy-Blog für etwas bewundere, dann für den Schichtbetrieb. Weil jetzt übernimmt “supra” in den Kommentaren das Zepter – und liest Jury-Präsident Gsteiger die Leviten:

(…) Herr Gsteiger, hätten Sie als erfahrener, und ehemals auch kadermässig tätiger Medienmann (Chefredaktor “Weltwoche”) nicht erwartet, dass ein ehrgeiziger Jungjournalist bei seiner zugegebenermassen wunderbar geschriebenen Geschichte zumindest ganz am Rande auch die Quelle erwähnt und sich nicht immer und immer wieder als Aufklärer und Entlarver feiern lässt? (…)

Als salomonisches Urteil hätte ich den Preis hälftig beiden verliehen. Aber um das gehts jetzt glaubs nicht mehr…

[Update V.]

Nun ist die Zeit der Schlussfolgerungen und Fazits gekommen. Ronnie Grob bloggt auf der Pressevereinsseite:

Fast alle beleidigt

Und Ex-Journi und Stöhlker-PR-Mensch Philipp Welti fragt:

Maurice Thiriet hat mir seiner verletzenden Äusserung einen Bock geschossen. Würden Sie Ihn noch auf eine “Story” aufmerksam machen?

Uups, jetzt ist der Knasch soagar in die Annalen von Wikipedia eingegangen…

(Fast-)Happy End:


Nach sechs Tagen reagierte Thiriet auf den medialen und blogalen Druck und entschuldigte sich bei Infamy. WIN: Im Päckli lag eine Flasche 79er Bordeaux. FAIL: Sie war ungeniessbar:

Noch am selben, gestrigen Abend beschliesse ich: Die Flasche wird geköpft! Je eher, je besser, bringen wir’s hinter uns. Hau weg den Scheiss! Und wehe der Fusel stinkt! Aber was passert? Der Korken zerbröselt hoffnungslos beim vorsorglich wirklich vooooooorsichtigen und behutsamen Öffnen. Er war offenbar schon lange ganz übel angeschwammt. Der Wein hat folglich Zapfen, dass Gott erbarm…

Schluss

PS: Der Transparenz halber sei gesagt, dass wir vom “Blick am Abend” die Geschichte am 17. Aug. 2010 auch brachten. Und den “Tagi” zitierten.

8 comments on ‘Abt. Bitchfight – Heute: Infamy vs. Thiriet #journipreis’

  1. Matthias says:

    Eine Frage aus der Abteilung korrektes Denglisch: Heisst es nicht, Infamy-Blog habe die Geschichte «gebroken»?

  2. says:

    hm, ich glaube broken tut höchstens cat stevens am morning…

  3. fuzzy says:

    Gute Geschichten sind wie gute Frauen? Dafür gibt’s anderswo den Kaktus von der Emma. Aber für die Selbstverständlichkeit, mit der der Bengel, ganz Schurni, seinen offensichtlich fehlender Reife geschuldeten Brunz zum Aphorismus erhebt, verdient gleich noch einen 10er.

    I flatter!

  4. Martin says:

    Vielen Dank für diese informative Zusammenfassung!
    Nur etwas ist mir nicht klar:

    EXKLUSIV: Die Burtscher-Anwälte haben übrigens noch versucht, die Preisverleihung zu verhindern. Per Fax direkt ins Casinotheater Winterthur. Fünf Minuten vor Zeremonienbeginn.

    Ist das als Satire zu verstehen oder beschäftigt Frau Burtscher tatsächlich immer noch Rechtsanwälte in dieser Angelegenheit?

  5. Martin says:

    P.S.: Leerzeilen verschwinden aus Kommentaren und Zitieren funktioniert nicht. Bugs oder Features? ;)

  6. Für mich ist es das Kapitalverbrechen schlechthin: Die Auszeichnung eines Plagiats – mehr dazu unter „… ein Blogger …“ – Ein Jouraillienpreis für ein Plagiat http://hofrat.ch/sc1

  7. [...] Benkö, Hofrat, Medienwoche, Journalistenpreis-Broschüre. Diesen Beitrag [...]

  8. ribosom says:

    Thiriets Frechheit, seine niederträchtige Äusserungen und seine selbst gewählte Beschreibung im Newsnetz “…verlor gegen David Bauer…. blah” lassen nur einen Schluss zu: Er hat sich am Burtscher Syndrom angesteckt.

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