“goldbach-zombie” – zattoo-chef über wilmaa und die netz-tv-zukunft

nachdem ich am 25. dez. hier über das browser-tv wilmaa geschrieben habe, gings jetzt recht flott. wilmaa meints ernst und schaltet im fernsehen schon richtige werbung (z.b. heute auf rtl2). und zattoo-ceo beat knecht spricht hier exklusiv über die zattookunft (sozusagen). aber der reihe nach. meine twitter-follower wissen, das ich am 30. dez. länger mit knecht telefonierte. er befand sich gerade auf privater mission in san francisco…

twittzattooknecht
so twitterte bö am 30.12.08.

kurz gesagt fühlt sich knecht durch wilmaa schon herausgefordert. auch wenn er das so direkt nicht sagen würde. für ihn ist wilmaa grundsätzlich mal ein marketing-produkt. nicht vom technischen betreiber solutionpark, sondern vom werbevermarkter goldbach-media her. knecht nennt wilmaa darum denn auch einen “goldbach-zombie”. ja, man könne mit wilmaa schon fernsehen, meint er. “aber es ist wie wenn microsoft oder yahoo einen internetdienst kopieren wollen – man merkt es ihm an, dass es nicht das wahre ist”, sagt knecht. “wir leben dagegen unser produkt”.

und sowieso. wilmaa habe nur 22 sender und auch keine zusatzfunktionen wie zweikanalton oder teletext. der grösste nachteil an wilmaa sei aber, dass wenn es mal läuft man wie vor einem fernseher passiv davorsitzt – weil der browser quasi von einem dienst blockiert ist. “bei zattoo ist das aber ganz anders. zattoo ist multitasking. wer unser programm offen hat, kann daneben wie gewohnt den computer weiter benutzen.” das schlage sich in einer massiv hohen nutzungsdauer nieder. mehrere hundert minuten pro monat.

“wir haben die zapp-werbung erfunden”

und ein bisschen nervt sich knecht, dass sich wilmaa sozusagen in ein gemachtes bett legt. “wir haben die werbung während dem zappen erfunden. und wir haben die verhandlungen über die rechte mit den grossen tv-anstalten in europa geführt”, sagt knecht. dass die jetzt einfach kommen…

und trotzdem. konkurrenz belebt schliesslich das geschäft. und zattoo will 2009 handeln.

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“ohne programmdownload hätten wir 50% mehr user”: zattoo-gründer sugih jamin und beat knecht.

denn der download eines clients ist für zattoo segen und fluch zugleich. erstens sind so zwar mehr technische finessen möglich: “p2p spart uns rund 30% an traffic auf den servern. tendenz steigend”, sagt knecht. doch gleichzeitig hält ein client auch user ab. “klar ist ein browserbasiertes tv einfacher”, meint knecht. “ohne programmdownload hätten wir 50% mehr user”. so nervt beispielsweise, dass zattoo-user alle nasen lang den player updaten müssen, indem sie ihn neu installieren. “hier haben wir die ‘user experience’ klar vernachlässigt”, gibt knecht zu. “wir arbeiten daran, dass der update bald so flüssig und automatisch läuft wie beispielsweise bei firefox.”

bald über 80 kanäle per browser?

und auch das kernstück von wilmaa, das browserbasierte tv, lässt zattoo nachdenken. es wäre doch für zattoo einfach, ein rumpfprogramm per browser zugänglich zu machen – und für den rest bräuchte es dann halt weiterhin einen client, meinte ich am telefon. “nein!”, sagte darauf knecht bestimmt. “wieso sollten wir nicht das ganze zattoo-programm mit über 80 kanälen (inkl. HiQ) per browser verfügbar machen? wer zusatzfunktionen wie zweikanalton will, lädt sich weiterhin den client runter”. zudem wolle zattoo auch eine “remote-funktion” einführen, die das bild easy auf den grossen fernseher bringen will – tschüss cablecom…

die technik spielt mit. “wir streamen bei zattoo mit h264″, sagt knecht. “und die neusten flash-player unterstützen dieses format”.

wir können uns also auf ein interessantes 2009 freuen – denn auch bei wilmaa werden die räder vermutlich nicht still stehen.

ps: swisscom-vdsl-kunden bekommen ja gratis alle zattoo-HiQ-kanäle ins haus geliefert. was viele nicht wissen. hier läuft das tv-signal nicht p2p-mässig übers “normale” internet. swisscom sendet die kanäle direkt an die kunden. daher sollte es hier auch weniger bzw. keine störungen geben.

pps: dass telezüri noch nicht in HiQ zur verfügung steht, sei ein serverproblem. man arbeite dran.